Ehrenamtliche gesucht“ vom 12.10.2017, in der „Badische Zeitung

Ehrenamtliche gesucht

2016 gab es im Ortenaukreis 6000 Betreuungen / Das Betreuungsrecht ist seit 25 Jahren in Kraft.

  1. Angelika Eschbach (SKF), Tanja Stahlhoff (SKM Ortenau) und Mario Herrmann vom Kreisdiakonieverein klären über die Betreuung auf. Foto: reim

OFFENBURG (reim). Entmündigung und Vormundschaft sind passé. Menschen, die sich nicht mehr ausreichend um ihre rechtlichen Angelegenheiten kümmern können, bekommen eine ehrenamtliche Bezugsperson an die Seite gestellt.

Seit 25 Jahren greift nun das Betreuungsrecht. Für die Ortenauer Betreuungsvereine hat sich das Recht bewährt, vor allem weil es den freien Willen der Betroffenen im Auge behalte. "Die Wünsche und das Wohl stehen im Zentrum", erklärt Tanja Stahlhoff, Geschäftsführerin des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM Ortenau). Zusammen mit dem Sozialdienst katholischer Frauen und des Kreisdiakonievereins Ortenau begleiten sie über 400 ehrenamtliche Betreuer, die ein oder zwei Personen unterstützen. Dazu kommen noch Familienangehörige als Betreuer. Insgesamt werden knapp 60 Prozent der rechtlichen Vertreter ehrenamtlich geführt. Dabei sei es eine große Herausforderung, immer mehr Ehrenamtliche zu finden, die die enorme Steigerung abdecken könnten. Während es 1993 rund 2100 Betreuungen im Ortenaukreis gab, waren es 2016 fast das Dreifache.

"Es war revolutionär, da mit dem neuen Recht gewährt werden kann, geschäftsfähig zu bleiben", erklärt Stahlhoff die Entwicklung. So können nämlich nur bestimmte Lebensbereiche unterstützt werden. Zum Beispiel in der Gesundheitsfürsorge, der Vermögenssorge, Aufenthaltsbestimmung oder Vertretung gegenüber Behörden, wie Versicherungen, Renten- und Sozialleistungsträgern. Wichtig: Die rechtliche Betreuung tritt nur in Kraft, wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Darum zählt es auch zu den Hauptaufgaben der Betreuungsvereine, Menschen über die Vorsorgevollmacht aufzuklären, um damit eine rechtliche Betreuung zu vermeiden.

"Es kursiert oft der Irrglaube, dass man dann persönliche Dinge nicht mehr erledigen darf", sagt Stahlhoff. Dabei gehe es genau darum: um Selbstbestimmung. Das Betreuungsgesetz wurde eingeführt, um die Interessen zu stärken und das Entmündigungsrecht abzuschaffen, fügt Mario Herrmann vom Kreisdiakonieverein an. Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht, die man nur demjenigen Menschen übertragen solle, dem man auch zu hundert Prozent vertraue, werde beim Betreuungsrecht kontrolliert. Regelmäßig muss der Vertreter vor Gericht Bericht ablegen.

Eine zentrale Rolle hier spielen auch die Betreuungsvereine, die Ansprechpartner rund um das Thema sind. Denn zuerst wenden sich die Behörden an die Vereine. "Wir informieren jährlich bei einer Informationsveranstaltung, auch um ehrenamtliche Betreuer zu werben", sagt Herrmann, die Rückmeldung sei beim Diakoniekreisverein gut. Insgesamt sind die Mitarbeiter der Vereine dennoch immer auf der Suche nach Helfern, die sie regelmäßig mit Schulungen, Fortbildungen und in der verantwortungsvollen Aufgabe unterstützen möchten.

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